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Gemeinderat befasst sich mit Kläranlage und Klärschlammproblematik

Bei einem Ortstermin vergangenen Samstag machte sich ein Teil des Gleißenberger Gemeinderates auch ein Bild vom aktuellen Zustand der Gleißenberger Kläranlage. Bürgermeister Wolfgang Daschner konnte dazu fünf Gemeinderäte sowie Klärwärter Patrick Meier von der betreuenden Verwaltungsgemeinschaft Weiding-Gleißenberg begrüßen. Die übrigen Gemeinderäte waren verhindert. Daschner gab zu verstehen, dass es wichtig sei, sich über den jetzigen Allgemeinzustand ein Bild zu machen und auch die notwendigen Betriebsabläufe kennen zu lernen. Auch im Hinblick auf die Klärschlammproblematik sei dies ein wichtiger Informationstermin für alle.

Patrick Meier freute sich über das Interesse der Gemeinderäte und gab anschließend einen sehr informativen Überblick über die Kläranlage und den Betrieb sowie die Gegebenheiten vor Ort. Dabei stellte sich heraus, dass in den nächsten Jahren Sanierungsbedarf bestehe und man erste Gespräche mit einem Ingenieurbüro geführt habe. Man müsse gewappnet sein für die Zukunft, so Meier. Sowohl Becken als auch Rechen müssten saniert werden und auch die Klärschlammproblematik werde ein Thema sein. Für die notwendige Trocknung zur Verbrennung müsse man einige Maßnahmen andenken. Die Landkreislösung mit angedachter Sammelausschreibung beziehe sich derzeit nur auf den gemeinsamen und organisierten Transport des Klärschlamms, nicht aber auf das Kernproblem die Trocknung, gab er zudem zu verstehen. Diese müsse bei dieser Vorgehensweise vor Ort selbst oder durch ein Lohnunternehmen durchgeführt werden. Ebenso müsse der getrocknete Klärschlamm dann auch entsprechend zwischengelagert werden. Manche Gemeinden hätten bereits solche Vorkehrungen, die meisten jedoch nicht. Darum habe man vorerst Abstand davon genommen und wolle die Entwicklung beobachten, ergänzte der Bürgermeister. Ebenso habe sich die Entsorgungssituation für kommunale Klärschlämme deutlich verändert. Die Deponierung von unbehandeltem Klärschlamm stehe eigentlich seit Ablauf der Übergangsfristen gemäß Abfallablagerungsverordnung nicht mehr als Entsorgungsoption zur Verfügung. Auch die derzeit durchgeführte landwirtschaftliche Verwertung sei langfristig nicht gesichert, so Daschner. Klärschlämme könnten neben Schwermetallen auch organische Schadstoffe beinhalten. Es gäbe verschiedene Klärschlammtrocknungskonzepte, die möglich seien. Z.B. Hybride Klärschlammtrocknung – eine Weiterentwicklung der solaren Trocknung- sei eine Option. Ziel sei auf jeden Fall ein biologisch stabiles, lagerfähiges und geruchsneutrales Trockengranulat. Entstehen würde ein Co2-neutrales Brennstoffsubstitut mit hohem Heizwert.

Patrick Meier informierte, das üblicherweise  Nassschlamm, der direkt aus dem Klärprozess kommt, vorentwässert wird. Durch das mechanische Entwässern der Klärschlämme in Dekantern, Zentrifugen und Pressen wird ein Feststoffgehalt, gemessen als Trockenrückstand (TR), zwischen 20 und 45 % erreicht. In einem zweiten Schritt kann mit unterschiedlichen Trocknungsverfahren der Trockenrückstand im Klärschlamm auf mehr als 50 % erhöht werden. Bei der Trocknung wird zwischen einer Teiltrocknung von z. B. 50 bis 55 % TR und einer Volltrocknung mit größer 90 % TR unterschieden. Ein besonders wirtschaftlicher Projektansatz sei z.B. die Klärschlammtrocknung mit Bandtrocknern und zugeordnetem Pellet-Holzvergaser. Pellet-Holzvergaser sind marktverfügbare, etablierte Anlagen, die CO2-neutral Strom und Wärme erzeugen.

Der Bürgermeister erhofft sich eine oder mehrere zentrale Lösungen für Trocknungsanlagen im Landkreis, betrieben zum Beispiel durch Firmen, Biogasanlagenbetreiber oder sonstige Institutionen. Innovative Unternehmer könnten sicher passende Konzepte mit mehreren umweltfreundlichen Effekten andenken und realisieren. Es könne nicht sein, dass jede Kommune mit viel Aufwand ihre eigene Trocknungsanlage bauen müsse und man eine Sammelabholung für getrockneten Klärschlamm organisiere, sondern eine Anlieferung des Klärschlamms bei einer zentralen Stelle wäre wünschenswert für eine kleine Gemeinde. Im Landkreis Wunsiedel habe eine Firma ein ähnliches Projekt bereits verwirklicht, so Daschner. Aber auch eine Lösung z.B. über die Kreiswerke wäre doch ein Ansatz meinte er. Die Sträucher rundum die Kläranlage wurden vom gemeindlichen Bauhof zurückgeschnitten und auch die Klärteiche müssen in nächster Zeit wieder geleert und saniert werden. Den Klärwärtern gehe die Arbeit nicht aus, meinte er.

 

Anschließend fuhr man zum gemeindlichen Bauhof beim Anwesen der Firma ML Case und machte sich ein Bild von den neuen Räumlichkeiten, die mittlerweile bezogen und ausgestattet sind. Die Gemeinderäte waren sich einig, dass dies jetzt eine passende und gute Lösung sei. Bürgermeister Daschner erwähnte nochmals das große Entgegenkommen der örtlichen Firma ML Case, die sehr kooperativ sei und der Gemeinde aus der Patsche half.

Zum Abschluss besichtige man die teils durchgeführten und vorgesehenen Umbau-maßnahmen im Rathaus. Im OG war die Mutter-Kind-Gruppe untergebracht, die nunmehr im EG im vormaligen und noch ausgestatteten Raum des Kindergartens untergebracht wurde. Die ebenso frei gewordenen Räume des vormaligen Leiterinnenzimmers und der Küche im EG werden mit einem Durchgang dem Bürgerbüro zugeordnet. In den Räumen im Obergeschoss wurde ein Archivraum eingerichtet für die Gemeinde sowie ein Besprechungsraum und eine kleine Küche ausgestattet mit notwendigen Sachen. Ebenso wurden die Wände von einem Malerbetrieb neu gestaltet. Praktisch erprobt wurden die Räume beim anschließenden Weißwurstessen, das Monika Daschner, die Frau des Bürgermeisters organisiert und vorbereitet hatte.

 

Bilder: Einige der Teilnehmer bei der Kläranlage