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Ein Gleißenberger Vermächtnis

Der „Gelobte Feiertag“ wird 300 Jahre alt – Auszug vom Werk von Prälat Josef Kraus „Gleißenberg, ein Heimatbuch“

Kommenden Montag, 3. Juni, ist es wieder so weit. Die Pfarrei Gleißenberg begeht diesen „Feiertag“ und betet diesmal Richtung Gschwand. Um 18:30 Uhr ist Abmarsch bei der Pfarrkirche am Dorfplatz in Gleißenberg. Gleichzeitig kommt eine Delegation aus der Filialkirche aus Richtung Lixenried nach Gschwand. Dort wird ein Festgottesdienst gefeiert. Der gelobte Feiertag geht auf ein Gelübde aus dem 18. Jahrhundert zurück, das abgelegt wurde, um göttlichen Beistand zum Schutz vor starken Unwettern zu erbitten, die unsere Gegend heimsuchten. Dieses Gelübde wurde in der Pfarrbeschreibung aus dem Jahre 1724 erstmals urkundlich erwähnt. Anlässlich des 300-jährigen Jubiläums laden der Pfarrgemeinderat und der Gschwander Dorfverein die gesamte Bevölkerung und alle Vereine zur Teilnahme und anschließenden Feier ein. Von Prälat Josef Kraus, der das Werk „Gleißenberg, ein Heimatbuch“ verfasste, wird die Geschichte wie folgt beschrieben:

Mehr als ein halbes Jahrhundert war Wolfgang Peter Prümbs Pfarrer in Gleißenberg. Er wurde am 20. Februar 1682 von München aus als Pfarrer in Gleißenberg präsentiert. Ohne Kooperator hat er Geigant mit versehen, stolze 51 Jahre lang. Er war ein energischer, arbeitsfreudiger Mann, der nicht leicht Schwierigkeiten kannte. Für ihn war auch in seinem Alter noch der Hienerberg auf dem Marsch nach Geigant nicht zu hoch. Er hat den weiten Weg nicht gescheut, auch wenn er oft im Schnee beinahe stecken geblieben ist. Er war ein wortgewaltiger und kritikfroher Mensch, der die Probleme frontal angegriffen hat. Oft war er in seinen Ausdrücken hart und derb, er war eben in diesen langen Jahren ein richtiger „Waldler“ geworden. Er konnte die Gleißenberger ruhig „Grobiane“ und „Streithansel“ nennen, er selbst war auch nicht weit davon weg. Er hat ihre Sprache gesprochen, darum hat ihm das auch niemand übelgenommen und er hat seine Pfarrkinder gerngehabt, denn er hat sie nicht hergegeben bis zu seinem Tod. Sicher hätte sich da und dort eine bessere Pfarrei geboten, denn er führte eine gute Feder und sprach ein ausgezeichnetes Latein, aber seine Gleißenberger gingen ihm doch über alles. Auch sein Grab wollte er noch bei Ihnen haben, denn er wusste, dass sie ihn auch nach seinem Tod nicht vergessen würden.

Ein großes Verdienst erwarb sich Pfarrer Wolfgang Peter Prümbs durch die Abfassung eines Saalbuches im Jahre 1699. 16 Jahre war er schon Pfarrer in Gleißenberg gewesen und war mit akribischer Genauigkeit allem nachgegangen, so dass er ein Werk schaffen konnte, für das wir ihm heute noch dankbar sein müssen. Es war das Verzeichnis aller an eine Corporation gemachten Schenkungen und der draus fließenden Renten. Das Gleißenberger Saalbuch handelt von den Rechten, Pflichten und Lasten des Pfarrers. Sie sollten schriftlich fixiert werden, um Streitigkeiten zu vermeiden. Das Saalbuch von Pfarrer Prümbs existiert in zweifacher Auflage. Eines ist im Pfarrarchiv Gleißenberg, eines im Ordinariatsarchiv Regensburg.

1724 fasst Prümbs eine interessante Notiz: Die Pfarrkirche von Gleißenberg war vor 20 Jahren reich. Sie hatte 160 Gulden. Diese Gelder mussten aber wegen der Kriegsgefahr nach Amberg geschickt werden. Ironisch bemerkte er dazu: „Auf diese Weise wurden sie sorgfältig gerettet und behütet, so dass unser Gotteshaus von diesen Geldern, die sie sehr notwendig bräuchte, bis heute nicht mehr einen Pfennig gesehen.“

Pfarrer Prümbs war es auch, der in anschaulicher Weise den Schauertag mit seiner erhebenden Flurprozession schilderte. Zeitlich war er damals immer am Tag nach Christi Himmelfahrt. Dieser Schauertag hat sich bis heute erhalten. Man nennt ihn jetzt den „Gelobten Feiertag“.

Das Gelübde scheint auf Heimsuchungen durch scharfen Hagelschlag zurückzugehen. Eine Zeitlang soll man das Gelöbnis nicht eingehalten haben, sei aber dann durch neues Unglück wieder zur alten Praxis gekommen.

Seit vielen Jahrzehnten begeht man den gelobten Feiertag jetzt immer am 3. Juni jeden Jahres. Falls dieser Tag ein Sonntag ist, wird er am Montag nachgeholt und abwechselnd wird dabei nach Gschwand oder Ried gepilgert.

Die Aufnahme zeigt den Gleißenberger Ortskern aus dem Jahr 1958. Foto: Martin Lommer